Disziplin bei der Geldanlage:
Lehren vom Tennisplatz


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Warum der Grundschlag über das Vermögen entscheidet

Ich spiele seit etwas mehr als einem Jahr Tennis, und Mitspieler, die schon deutlich länger dabei sind, sagen mir, ich sei recht talentiert. Manchmal läuft ein Spiel so gut, dass ich denke, ich hätte es im Griff. Und genau dann kommen die Fehler, das Falsche zur falschen Zeit. Ein zu ambitionierter Schlag, ein unnötiges Risiko, ein Punkt verschenkt, ganz ohne Zutun des Gegners.

Deshalb trainiere ich regelmäßig mit meinem Trainer, obwohl ich die Grundlagen längst kenne. Er bringt mir nichts Spektakuläres bei. Keinen neuen Trickschlag, keine Geheimtechnik. Er übt mit mir das Solide, immer wieder denselben sauberen Grundschlag, bis er auch dann hält, wenn es eng wird. Denn entscheidend ist nicht der eine geniale Ball im Training. Entscheidend ist der zuverlässige Schlag im Moment, in dem es zählt.

Je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher sehe ich darin meine eigene Arbeit.

Das Problem ist selten fehlendes Wissen

Die Unternehmerfamilien, mit denen ich arbeite, sind in ihrem Geschäft herausragend. Sie treffen täglich Entscheidungen unter Unsicherheit, sie kennen Zahlen, sie haben ein Gespür für Risiko. Diese Stärke ist real. Und sie ist zugleich das Risiko.

Denn wer gewohnt ist, selbst zu entscheiden und aktiv zu gestalten, will auch beim Vermögen aktiv handeln. Gerade dann, wenn Stillhalten klüger wäre. Es sind selten die Unwissenden, die sich bei der Geldanlage schaden. Es sind die Kompetenten, die im falschen Moment vom Plan abweichen, weil Aktivität sich richtig anfühlt.

Die Forschung ist hier ungewöhnlich eindeutig. Die sogenannte Behavior Gap beschreibt die Lücke zwischen der Rendite, die ein Investment erzielt, und der Rendite, die Anleger tatsächlich erhalten. Diese Lücke entsteht nicht durch schlechte Produkte. Sie entsteht durch Verhalten. Durch Kaufen, wenn die Stimmung gut ist, und Verkaufen, wenn sie kippt. Durch das Bedürfnis, etwas zu tun, wenn Ruhe die bessere Antwort wäre.

Studien zum Anlegerverhalten zeigen über lange Zeiträume immer wieder dasselbe Muster: Wer häufig umschichtet und auf den richtigen Moment zu setzen versucht, schneidet im Schnitt schlechter ab als wer einfach investiert bleibt. Nicht weil Markttiming theoretisch unmöglich wäre, sondern weil es praktisch kaum jemandem dauerhaft gelingt. Der teuerste Schlag ist fast immer der, den man im falschen Augenblick wagt.

Was ein guter Grundschlag in der Geldanlage bedeutet

Übertragen auf das Vermögen heißt der solide Grundschlag: eine breit gestreute, kostengünstige Struktur, die zur Lebenssituation passt, und die Disziplin, an ihr festzuhalten. Das ist unspektakulär. Es gibt keine Geschichte zu erzählen, kein Gewinnerdepot, das man auf der nächsten Feier herumzeigt. Aber genau diese Unscheinbarkeit ist der Punkt.

Vermögen entsteht nicht durch den einen brillanten Treffer. Es entsteht durch tausende solide Schläge, durch Konsequenz über Jahre und Jahrzehnte, durch das geduldige Wiederholen des Richtigen. Die Evidenz dazu ist umfangreich. Breit diversifizierte Portfolios, niedrige Kosten und ein langer Atem schlagen über Zeit die allermeisten aktiven Strategien. Das ist keine Meinung, das ist gut belegt. Schwierig ist nicht das Wissen darum. Schwierig ist, es durchzuhalten, wenn alles in einem nach Handlung schreit.

Die eigentliche Rolle des Beraters

An dieser Stelle schließt sich der Kreis zum Trainer. Mein Trainer ist nicht da, weil ich die Schläge nicht kenne. Er ist da, weil das Solide unter Druck einübt werden muss, immer wieder, bis es trägt. Er ist die Instanz, die dafür sorgt, dass mein Grundschlag auch im entscheidenden Moment sitzt.

Genau das ist die Aufgabe eines Honorarberaters. Ich verdiene nicht am Verkauf eines Produkts, sondern an der Qualität Ihrer Entscheidungen. Meine wichtigste Leistung ist deshalb oft nicht, etwas Neues vorzuschlagen. Sie besteht darin, das Solide zu sichern und Sie davor zu bewahren, im falschen Moment das Falsche zu tun.

Im Tennis lerne ich gerade, dass Talent nicht reicht und der spektakuläre Schlag selten der ist, der das Spiel gewinnt. Bei der Geldanlage gilt dasselbe, nur sind die Einsätze höher. Wer das einmal verstanden hat, hört auf, nach dem genialen Treffer zu suchen, und fängt an, den soliden Grundschlag zu pflegen. Das ist weniger aufregend. Aber es ist das, was am Ende zählt.

Karsten Matt Karsten Matt

Karsten Matt ist Honorarberater mit zwei Jahrzehnten Erfahrung in der finanziellen Beratung erfolgreicher Menschen. Als Papa von Zwillingen und Weinliebhaber bringt er nicht nur Professionalität, sondern auch Herz in seine Arbeit. Er ist begeisterter Fan von SV Elversberg und FC Bayern München und weiß, wie man mit Leidenschaft und Engagement Ziele erreicht. Als gefragter Speaker, teilt er sein umfangreiches Wissen und seine fundierten Einblicke in Finanzstrategien mit einem breiten Publikum.

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